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Kreativitätstechniken: Ideen finden, bewerten, umsetzen

Kreativitätstechniken: Ideen finden, bewerten, umsetzen

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Kreativität entsteht nicht auf Knopfdruck. Für die Lösung von komplexen Problemen oder Fragestellungen ist sie jedoch unabdingbar und heute in fast allen Branchen und Unternehmensgrößen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Kreativitätstechniken als Teil des kreativen Prozesses geben dafür den nötigen Raum und schaffen optimale Bedingungen, um Denkblockaden zu überwinden oder den „Tellerrand“ hinauszuschauen.

 

Es gibt mittlerweile unzählige Techniken – teils sind sie in der Herangehensweise und Aufbau jedoch sehr ähnlich. Nachfolgend stellen wir euch drei ausgewählte, sehr unterschiedliche Methoden vor, geben einen Einblick in deren Zielstellung, Ablauf, Komplexität und weisen auf Vor- oder Nachteile hin:

 

Das Sammelsurium – Morphologische Matrix

Diese Technik zielt darauf ab, neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln oder Bestehendes zu optimieren. Dazu arbeitet ihr auf einem großen Blatt Papier oder alternativ über Flipchart/Whiteboard. In vier Schritten wird dazu eine Tabelle angelegt, die über verschiedene Parameter und Ausprägungen neue Kombinationen aufzeigt.

  • 1. Problem: Formuliert an dieser Stelle genau, welche Fragestellung/Problem betrachtet werden soll.
  • 2. Parameter: Definiert unterschiedliche Merkmale, Faktoren oder Auswirkungen eures Produkts oder Dienstleistung und schreibt sie  in der ersten Spalte untereinander.
  • 3. Ausprägung: Für jeden Parameter werden daneben nun Variationen oder mögliche Ausprägungen genannt – ob sie vorerst realistisch sind oder nicht.
  • 4. Kombination: Für alle Parameter sind nun Ausprägungen definiert und im morphologischen Kasten verankert. Im letzten Schritt können nun unterschiedliche Kombinationen getestet und für Lösungsansätze bewertet werden, wie hier am Bsp. zur Entwicklung eines Workshop-Formates:

 

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Vorteile: Die Technik eignet sich für sehr vielfältige Problemstellungen, benötigt wenig Aufwand, Erklärung und Material. Es wird empfohlen, Gruppen von max. 8 Personen zu involvieren und sich ca. 2 Stunden Zeit zu nehmen. Die gute Übersichtlichkeit und Systematik der Methode zeigt viele Ansätze und Kombinationen. Nachteile: Das Überangebot der Lösungen erschwert die finale Auswahl. Zudem ist die Erarbeitung und Vorauswahl der Parameter schwierig – jedoch für den Erfolg ausschlaggebend. Einige Kombinationen sind zudem nicht möglich und werden im finalen Prozess aussortiert.

 

Das Rollenspiel – Walt-Disney-Methode

Ziel dieser – von Walt Disney direkt entwickelten – Methode ist es, Gedankenblockaden zu lösen und Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dazu nehmen die einzelnen Teilnehmer (Einzelpersonen oder auch kleinere Teams) abwechselnd jeweils drei verschiedene Rollen ein, entwickeln Ideen und verfeinern sie:

 

1. Träumer

Begonnen wird mit dem Träumer: Er darf im wahrsten Sinne „herumspinnen“ und völlig freie, visionäre oder unrealistische Gedanken äußern und wird NICHT durch Regeln oder Logik eingeschränkt. Keine Grenzen. Seine Ideen und Visionen orientieren sich am Zukünftigen und werden nicht auf Realisierbarkeit geprüft.

 

2. Realist

Der Realist prüft im Anschluss die Ideen des Träumers auf Machbarkeit und orientiert sich an der Gegenwart. Er überlegt, wie die Vorstellungen als Konzept umgesetzt werden könnten, welche Hilfsmittel nötig wären und welche Kosten entstehen würden.

 

3. Kritiker.

Erst im letzten Schritt wägt der Kritiker die Stärken und Schwächen der Ideen ab. Er hinterfragt konstruktiv, analysiert und optimiert das bisherige Ergebnis und sucht nach Schwachstellen, die u.U. noch nicht bedacht wurden.

 

Die offenen Fragen oder Schwachstellen werden dann wieder an den Träumer übergeben. Der Prozess wiederholt sich erneut bis die definierten Ziele erreicht wurden oder keine relevanten Lösungen mehr entstehen. Vorteil: Diese Methode ist sehr fantasievoll und der Rollenwechsel belebt die Teamstrukturen. Für die jeweiligen Rollen bietet sich ein Ortswechsel an, um sich besser hineinzudenken. Nachteil: es muss darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer miteinander statt gegeneinander arbeiten. Ein Moderator kann als „Schlichter“ fungieren, den Rollen-Wechsel koordinieren und die -einhaltung überprüfen. Die Gesamt-Gruppe sollte nicht größer als 9 Personen sein.

 

Der Zufallsfund – Lexikon-Methode

Diese Methode ist schnell, anspruchsvoll und ungewöhnlich. Sie eignet sich vor allem für kreative Kampagnenideen oder einen neuen Impuls für die Produktentwicklung. Dazu benötigt ihr ein analoges oder digitales Lexikon: blättert bzw. scrollt mit geschlossenen Augen und stoppt dann mit dem Finger bzw. Cursor auf einer Seite bzw. Buchstaben. Dieser zufällig gefundene Begriff wird nun analysiert, bewertet und markante Eigenschaften notiert. Im nächsten Schritt geht ihr zu euer ursprünglichen Fragestellung zurück und versucht, Merkmale und Eigenschaften des Begriffs auf eure Aufgabe zu übertragen. Durch diese absichtliche, weite Entfernung vom eigentlichen Thema entstehen originelle und ungewöhnliche Verknüpfungen und Ansätze.

Vorteil: diese Methode ist vor allem für „festgefahrene“ Situationen geeignet, benötigt wenig Material und ist einzeln oder in der Gruppe realisierbar. Nachteil: die Weiterentwicklung bzw. Verwertbarkeit der Ideen in umsetzbare Konzepte kann schwierig sein und benötigt evtl. eine unterstützende, helfende Anleitung durch Experten.

 

 

Nun habt ihr mit Ideenfindungs-Methoden schon gute Ansätze entwickelt. Im Idealfall ist bereits eine herausragende Lösung dabei. Doch gerade in großen Teams kann es passieren, dass der Prozess stagniert oder (zu) viele, jedoch noch „unausgereifte“ Ideen entstanden sind. Mit der folgenden Technik lassen sich diese weiter denken:

Neuer Schwung mit der SCAMPER-Methode

Diese einfache aber effektive Technik soll durch gezielte Fragestellungen und Perspektivwechsel die bisher erarbeitete Idee analysieren und weiterentwickeln. Das Akronym SCAMPER steht dabei für folgende Schritte:

  • Substitute – ersetzen: welche Elemente, Materialien oder Personen können ausgetauscht werden?
  • Combine – kombinieren: Lassen sich Einzelteile oder das Ganze überschneiden oder kombinieren?
  • Adapt – anpassen: könnten Elemente oder Ideen aus anderen Bereichen ergänzt werden?
  • Modify – vergrößern: was lässt sich verändern/erweitern/vergrößern/umfärben?
  • Put  – übertragen: lässt sich das Vorhandene noch für einen anderen Zweck nutzen?
  • Eliminate – verkleinern: was lässt sich verkleinern/entfernen/vereinfachen oder reduzieren?
  • Reverse – umkehren: lässt sich das Ganze oder Teil-Elemente neu anordnen oder in der Reihenfolge umkehren?

 

Die Qual der Wahl… Folgende zwei Techniken zeigen euch exemplarisch, wie Lösungsansätze und Ideen schließlich bewertet und selektiert werden können:

Dotmocracy

Diese Gruppenmethode dient zur demokratischen Bewertung von vorgeschlagenen Ideen. Wichtig ist, dass vor der Bewertung klar ist, was das Ziel des Vorhabens ist und offene Fragen geklärt sind. Dann werden die erarbeiteten Vorschläge anschaulich präsentiert und nummeriert und das Voting beginnt. Dazu erhalten die Teilnehmenden jeweils die gleiche Anzahl von Klebepunkten, welche auf den generierten Ideen platziert werden dürfen. Um das Ergebnis nicht zu sehr zu verzerren, sollte jede/r TeilnehmerIn pro Idee nicht mehr als zwei oder drei Punkte vergeben dürfen. Die Idee mit den meisten Punkten gewinnt! Sie wird ausgewählt und weiterentwickelt, die Plätze 2, 3 (oder mehr) als Reserve behalten, Ideen ohne Punkte-Wertung entfernt.

 

HOW-WOW-NOW Matrix

how-wow-now_matrixEine andere Herangehensweise zeigt diese Methode auf. Sie bewertet nach einem Schema bezüglich geringer oder hoher Machbarkeit und Originalität der Idee. Sie ist weniger subjektiv als Dotmocracy und ein gutes Hilfsmittel bei der Gruppenbewertung. Anhand einer Matrix wird (siehe Abb.) zeigen die vier Kombinationen, ob es sich lohnt, an einer Idee dranzubleiben:

  1. Ideen, die weder machbar noch originell sind. Sie werden direkt aussortiert.
  2. NOW! Jetzt? Die Idee lässt sich gut umsetzen, ist jedoch nicht besonders originell/neu.
  3. HOW? Wie? Die Idee lässt sich nur schwer umsetzen, ist dafür aber sehr originell.
  4. WOW!: Die Top-Idee! Sie lässt sich sowohl gut umsetzen und ist auch besonders originell.

 

Bildquelle: kreativitätstechniken.info

 

Ob ihr nun mit oder ohne Kreativitätsmethode arbeitet: Es gibt einige Faktoren, die den kreativen Flow hindern oder gute Ideen direkt im Keime ersticken können.

3 Tipps, wie ihr gute Bedingungen für ein kreatives Umfeld schafft:

Perspektive wechseln

Die originellsten Ideen entstehen meist nicht an der „Wirkungsstätte“ Schreibtisch, sondern beim Spazierengehen, Reisen, Schlafen oder ungewöhnlichen Orten. Auch ganz banale alltägliche Tätigkeiten können Gedankenblitze auslösen.

 

Ruhepol schaffen

Um kreativ zu werden, muss auch das soziale Umfeld stimmen: Zeitdruck, Stress, persönliche Konflikte, Monotonie, seelische Belastung, Müdigkeit oder eine ewige To-Do-Liste behindern das freie Denken und blockieren ungewöhnliche und neuartige Denkansätze.

 

Gegenwind aushalten

Allzu leicht kann es passieren, dass gute Ideen von Beginn an abgelehnt werden. Sie werden direkt als nicht realisierbar oder zu risikoreich bewertet, Neuerungen werden pauschal abgelehnt oder gar die eigene Person angegriffen. Versucht in diesen Situationen selbstbewusst zu bleiben und eure Idee zu verteidigen. Bittet den „Kritiker“ direkt um einen alternativen Vorschlag oder Verbesserung der Idee. Holt euch außerdem Verbündete (Kollegen) ins Boot.

Ihr seht: Kreativitätstechniken bringen frischen Wind in eingefahrene Prozesse, befördern ungewöhnliche Ideen zu Tage und können sogar team-bildende Maßnahme sein.

Bei komplexen, langwierigen Themen können Kreativitätstechniken zwar ein guter Denkanstoß sein, jedoch bieten sich hier vertiefende, moderierte und organisierte Formate an, wie zum Beispiel Designthinking,Workshops, Designsprints (ca. 5 Tage), Seminare und Trainings.

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Katja

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