Photoshop Beta: 2D-Freisteller einfach in 3D drehen

Objekte räumlich drehen – wie gut funktioniert das wirklich?

Nachdem sich mit Adobe Illustrator einfache Vektor-2D-Objekte via “Drehteller” easy 3D-Ansichten erstellen lassen, hat nun auch Photoshop diese bahnbrechende Funktion übernommen. Hier noch mal nachlesen: Adobe Illustrator Turntable: 3D für deine 2D-Illustrationen 

Mit der aktuellen Photoshop-Beta-Version lassen sich freigestellte Objekte räumlich drehen. Damit wird ein – bisher klarer – Unterschied zwischen klassischer Bildbearbeitung und 3D-Workflows teilweise aufgehoben. Doch wie leistungsfähig ist das Feature im Alltag?

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Was steckt dahinter?

Die neue „Rotate Object“-Funktion ermöglicht es, 2D-Freisteller perspektivisch im Raum zu drehen. Grundlage ist eine KI-gestützte Interpretation der Objektgeometrie.

Das passiert im Hintergrund:

  • Das Objekt wird analysiert
  • Eine räumliche Struktur wird geschätzt
  • Perspektivische Transformation wird angewendet
  • Fehlende Bildbereiche werden automatisch ergänzt

Das Ergebnis ist ein visuell plausibler Perspektivwechsel ohne „echtes“ 3D-Modell.

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Schritt-für-Schritt: Anwendung

Video Making of /////////////
Angenommen, ihr habt “euer” Fahrzeug nur in dieser Perspektive und wollt es aber nun perfekt auf dieser Bergstraße platzieren:

 

  1. Objekt freistellen
  • Auswahlwerkzeug oder Maskierung verwenden oder direkt freigestelltes Objekt platzieren
  • Kantenqualität beeinflusst das Ergebnis stark

 

  1. Transformation starten
  • in der kontextbezogenen Taskleiste wählen, Cmd/Ctrl + T
  • Neue Option zur Objektrotation auswählen “Objekt drehen”

 

  1. Perspektive anpassen
  • Rotation entlang der drei Achsen (Die Auflösung während des Prozesses ist heruntergedrosselt)
  • Visuelle Kontrolle über Perspektivveränderung

 

  1. Generierung
  • Klick: “Fertig”. Fehlende Bereiche werden automatisch ergänzt
  • Licht und Struktur werden angepasst

 

  1. Nachbearbeitung
  • “Harmonisieren” erstellt 3 Varianten. Farb- und Lichtkorrektur
  • Retusche bei Artefakten

 

Video Detail /////////////
Die Regler ermöglichen die Anpassung für horizontale Bewegung (links rechts), vertikale Bewegung (oben unten) und Tiefenachse (vorne hinten, also in den Raum hinein)

 

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Nutzen im praktischen Einsatz

Im Design-Alltag könnt ihr die Funktion einsetzen, um schnellere (und bessere) Szenen zu erstellen für:

Produktbilder

  • Mehrere Perspektiven aus einem Ausgangsbild
  • Reduzierter Aufwand für Shootings

 

Composing

  • Anpassung der Perspektive im Nachhinein
  • Bessere Integration in bestehende Szenen

 

Effizienz

  • Kein Wechsel in 3D-Software notwendig
  • Schnelle Abwandlungen und Versionen möglich

 

Gestaltung

  • Flexiblere Bildkomposition
  • Neue Blickwinkel ohne zusätzlichen Aufwand

 

Video Vorher-Nachher /////////////
für Mockups eröffnen sich neue Möglichkeiten, Produkte passgenau in eine Szene einzubinden

 

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Das funktioniert gut: 

 

Einfache Objekte

  • Klare Formen liefern stabile Ergebnisse
  • Produkte mit wenig Komplexität besonders geeignet

 

Moderate Drehungen

  • Kleine bis mittlere Winkel wirken plausibel

 

Lichtanpassung

  • In neutralen Szenen oft konsistent

 

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Wo gibt es (aktuell) Einschränkungen:

 

Komplexe Details

  • Haare, Transparenzen und feine Strukturen problematisch
  • Auch Freisteller-Objekte mit Bokeh (Unschärfe) werden in der Rotation ungenau

 

Große Rotationen

  • Rückseiten (wie Fahrzeuge und komplexere Objekte) werden geschätzt und wirken oft ungenau

 

Bildkontext

  • Funktioniert besser bei einfachen Hintergründen
  • Schwieriger bei komplexen Szenen

 

Eingeschränkte Kontrolle

  • Kein echtes 3D-Modell
  • Begrenzte Präzision im Vergleich zu 3D-Software

 

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Best Practices

So klappt’s mit der “Rotate Object” Funktion:

  1. Mit einfachen Motiven starten
  2. Extreme Perspektiven vermeiden
  3. Ergebnisse nachbearbeiten, Harmonize Tool nutzen
  4. Generative Tools ergänzend nutzen
  5. Auf neutrales Ausgangsmaterial achten

 

Game-Changing – hier noch mal nachlesen:
Photoshop Harmonize: KI-Tool für nahtlose Bildmontagen in einem Klick

 

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Fazit

Die Funktion erweitert Photoshop um eine neue Möglichkeit im Umgang mit Freistellern. Sie ersetzt keine 3D-Software, kann aber in vielen Fällen eine schnelle Alternative sein. KI-Bildtools wie Midjourney oder ähnliche Tools erzeugen neue Bilder – Photoshop gibt dir Kontrolle über bestehende Assets und konsistente Ergebnisse im Workflow. Gerade für Anpassungen und präzises Compositing bleibt es das verlässlichere Werkzeug. Besonders im Bereich Content-Produktion und Produktvisualisierung bietet sie Potenzial, Arbeitsprozesse zu vereinfachen. Gleichzeitig bleibt die Qualität stark vom Ausgangsbild und der Komplexität des Motivs abhängig.

Credits:
Bildmaterial: Envato Elements & Klickkomplizen
Oberfläche / 3D-Rotate-Funktion: Adobe Photoshop Beta Version 27.6.0
Animationen: Klickkomplizen via Photoshop Beta & Clideo

 

 

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Katja

Katja

Seit April 2016 unterstütze ich das Team der Klickkomplizen im Bereich Kommunikationsdesign. In meinen Blogs dreht sich alles um die visuelle Seite des Marketings und unser Agenturleben.

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