Social Media und Teenager – und plötzlich bin ich die Helikopter-Mama?

Beim Thema Social Media und Teenager gehen die Meinungen ja ziemlich auseinander. So ähnlich wie bei Zucker und Kleinkindern. 😉 Erlaube ich es meinem Kind oder nicht? Ab wann ist Social Media okay? Welche Kanäle erlaube ich? Und wie viel Kontrolle ist eigentlich sinnvoll?
Wie Ihr wisst, arbeite ich selbst im Social-Media-Business und könnte jetzt natürlich behaupten, dass ich auf all diese Fragen ganz souveräne Antworten habe. Habe ich aber nicht. Zumindest nicht, wenn es um mein eigenes Kind geht. Deshalb möchte ich euch heute einfach mal auf unsere ganz persönliche Reise mitnehmen. Bei uns zu Hause war Instagram schon länger ein Thema. Mein Sohn wollte dabei gar nicht unbedingt selbst posten. Es ging ihm vielmehr darum, zu schauen, was dort so passiert, was seine Freunde sehen und natürlich um Fußball, Sport und jede Menge Fails. Ich habe mich trotzdem lange gegen einen eigenen Instagram-Account gewehrt.

Unsere Zwischenlösung war irgendwann: Du darfst meinen Account mitbenutzen.

Ich: Garten, DIY, Kochen und Mama-Kram.
Er: Fußball, Sport und Fails.

Der Algorithmus war bestimmt erstmal komplett überfordert. Wahrscheinlich hat er sich gefragt, wer hier eigentlich wohnt: ein Hobbygärtner mit Torwarthandschuhen? 😉Er hatte Instagram auf seinem Handy installiert, durfte sich Beiträge speichern und wusste von Anfang an, dass ich sehen kann, was er speichert. Und soll ich euch etwas sagen? Ich würde es wieder genauso machen. Denn dadurch habe ich ganz nebenbei gesehen, was ihn eigentlich interessiert. Und genauso hat er einiges von meiner Instagram-Welt mitbekommen. Vor allem aber kamen wir immer wieder miteinander ins Gespräch. Da tauchten plötzlich Fake Accounts auf, irgendwelche dubiosen Gewinnspiele, Follower-Fallen, Fake News und natürlich Inhalte, bei denen ich dachte: Okay, darüber sollten wir vielleicht mal reden und über die er auch mit mir reden wollte. Das Schöne war: Diese Gespräche entstanden einfach aus der Situation heraus. Ich musste ihn nicht mit einem dreistündigen Vortrag über die Gefahren des Internets an den Küchentisch setzen.

Und natürlich kam irgendwann auch der Moment, an dem er mir irgendeinen Beitrag auf Instagram zeigte und völlig überzeugt sagte: „Mama, schau mal wusstest du das schon? Das ist ja krass!“

Ähm … nein. Nur weil jemand etwas auf Instagram erzählt, ist es leider noch lange nicht wahr.

Also haben wir gemeinsam nachgeforscht:

  • Wer hat das gepostet?
  • Woher kommt die Information?
  • Steht das auch woanders?
  • Ist der Account überhaupt echt?

 

Genau dieses Hinterfragen finde ich heute unglaublich wichtig. Denn ich werde nicht verhindern können, dass mein Kind im Netz auf Quatsch, Fake News oder fragwürdige Inhalte stößt. Aber ich kann ihm hoffentlich beibringen, nicht alles sofort für bare Münze zu nehmen. Irgendwann kam der Tag, an dem mein Garten-Fußball-Fail-Gemeinschaftsaccount nicht mehr ausreichte. Mein Sohn wollte einen eigenen Instagram-Account.

Meine erste Antwort war: „Gib mir noch etwas Zeit, ich muss mich erst informieren und brauche noch Zeit.“ Er wollte Instagram vor allem, um sich mit seinen Kumpels aus der Schule auszutauschen. Die hätten schließlich auch alle einen eigenen Account. Und ganz ehrlich: Dass es ihm irgendwann ein bisschen zu blöd war, seinen Freunden Mamas Gartenaccount zu nennen, konnte sogar ich nachvollziehen. 😉

Und dann kam eine Frage, die mich kalt erwischt hat:

„Wovor hast du denn eigentlich solche Angst?“

Tja. Gute Frage. Aber bei mir fing direkt das Gedankenkarussell an. Was machen eigentlich andere Eltern? Welche Schutzmaßnahmen nutzen sie? Wie viel darf und sollte ich kontrollieren? Wie viel Freiheit braucht er? Und bin ich gerade einfach nur vorsichtig – oder schon auf dem direkten Weg zur Helikopter-Mama? Also haben wir uns zusammengesetzt und ziemlich offen darüber gesprochen, warum ich bei dem Thema überhaupt Bauchschmerzen habe. Fremde Menschen im Netz. Ungeeignete Inhalte. Fake Accounts. Persönliche Daten. Nachrichten von Unbekannten. Cybermobbing. Aber auch die Frage, wie viel Zeit man eigentlich auf Social Media verbringt und wie schnell aus „Ich gucke nur mal kurz“ plötzlich eine Stunde wird. Und ich glaube, dieses Gespräch war mindestens genauso wichtig wie alle technischen Einstellungen, die später kamen. Am Ende haben wir uns auf ein Teen Account geeinigt und es gemeinsam eingerichtet. Für mich fühlte sich das größer an als für ihn. Für ihn war es vermutlich eher: „Endlich hat sie es verstanden.“ 😉

Unser Kompromiss: der Instagram Teen Account

Was mir die Entscheidung leichter gemacht hat:

  • Teen Accounts sind standardmäßig privat.
  • Es gibt strengere Regeln, wer Teenager kontaktieren, markieren oder erwähnen darf.
  • Sensible Inhalte werden eingeschränkt.
  • Nach 60 Minuten kommt eine Erinnerung, Instagram zu verlassen.
  • Der Schlafmodus schaltet nachts Benachrichtigungen stumm.

Besonders wichtig war mir: Elternaufsicht heißt nicht, heimlich Nachrichten mitzulesen. Ich sehe, mit wem er in den letzten Tagen geschrieben hat, aber nicht, was. Dazu kommen Zeitlimits und die Möglichkeit, Einstellungen gemeinsam zu erstellen und zu erklären, warum ich das so tue. Ich will nicht jede Nachricht lesen. Ich will nicht jeden Klick kontrollieren. Ich will, dass wir darüber reden können, was ihm dort begegnet.

Was ich mitnehme

Ich habe keine Patentlösung, und unser Weg muss nicht für jede Familie passen. Aber ich glaube, die Frage „Ab wann darf mein Kind Instagram?“ ist gar nicht die entscheidende. Die bessere Frage ist: „Wie begleite ich mein Kind bei seinen ersten Schritten auf Social Media?“ Bei uns hieß die Antwort: gemeinsam anfangen, neugierig bleiben, Fragen zulassen (auch unbequeme) und Vertrauen aufbauen, mit klaren Leitplanken statt Dauerüberwachung.
Und ganz ehrlich, auch ich habe an einer Verjüngung meines Profils profitiert und war wieder bei mehr Themen „Up to Date“ 😉

Wie war das bei euch? Habt ihr Instagram erlaubt, verschoben oder eine ganz eigene Lösung gefunden? Schreibt es uns gern, wir sind gespannt!

 

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