Im Universum des Online Marketings gilt LinkedIn als eines der präzisesten Werkzeuge zur Ansprache spezifischer Nutzergruppen. Der Grund für diese Genauigkeit liegt im Nutzerverhalten selbst: Da LinkedIn ein berufliches Netzwerk ist, haben die Nutzer:innen ein hohes Eigeninteresse daran, ihre Qualifikationen, Karriereschritte und Kenntnisse einzutragen und stets aktuell zu halten. Diese verifizierten „Hard-Facts“ ermöglichen ein Targeting, das weit über das Schätzen von Interessen auf anderen sozialen Plattformen hinausgeht. So ist es möglich, die Zielgruppe anhand ihrer Position und Kenntnisse sowie der Branche oder Unternehmensgröße einzugrenzen.
Doch die Qualität hat ihren Preis – LinkedIn Ads gehören zu den teureren Werbeformaten, weshalb eine strategische Zielgruppendefinition essenziell ist, um das Budget effizient einzusetzen und nicht für Personen auszugeben, für die das beworbene Angebot gar nicht relevant ist. Wir zeigen euch, worauf es ankommt und wie ihr die verschiedenen Targeting-Optionen optimal für euch nutzen könnt.
Vorbereitung: Das Idealprofil definieren
Bevor der erste Klick im Kampagnen-Manager erfolgt, muss das Zielgruppen-Profil klar sein. Wer sind die Menschen, die wirklich erreicht werden sollen? Hierbei sollten jedoch nicht nur vage Oberbegriffe zusammengetragen werden. Es empfiehlt sich die Erstellung eines Ideal Customer Profiles (ICP) oder detaillierter Personas. Spezifische Merkmale wie Funktionsbereiche, Karrierestufen, Unternehmensgrößen oder benötigte Fähigkeiten müssen definiert werden.
Standort und Sprachlogik
Jede Zielgruppe beginnt mit der geografischen Eingrenzung. LinkedIn bietet hier Optionen von Kontinenten bis hin zu einzelnen Städten. Sollen wirklich nur Menschen vor Ort erreicht werden, empfiehlt es sich, am besten „Dauerhafter Standort“ auszuwählen. So werden Nutzer:innen ausgeschlossen, die sich lediglich vorübergehend, beispielsweise auf einer Reise, in der Region aufhalten.
Die Profilsprache beeinflusst, welche Nutzer mit den Anzeigen erreicht werden. Wird „Englisch“ ausgewählt, kann LinkedIn am gewählten Standort auch Personen mit einer anderen eingestellten Profilsprache berücksichtigen und so die potenzielle Reichweite erhöhen. Bei anderen Sprachen werden hingegen nur Nutzer mit der jeweils ausgewählten Profilsprache erreicht.
Die Kategorien „Zielgruppe“ und „Zielgruppenattribute“
Unter dem Punkt „Zielgruppe“ kann auf verschiedene Zielgruppenlisten mit eigenen Daten, die über Matched Audiences erstellt wurden, zurückgegriffen werden. Dazu können beispielsweise Websitebesucher, Personen, die mit der Unternehmensseite interagiert haben oder hochgeladene Kontaktlisten gehören. Mehr zu Matched Audiences erfahrt ihr in dem Blogbeitrag meiner Kollegin Kerstin.
Über „Zielgruppenattribute“ können LinkedIn-Profildaten genutzt werden, um die Zielgruppe anhand von Merkmalen wie Unternehmensdaten, demografischen Daten, Berufserfahrung und Ausbildung oder Interessen und Merkmalen weiter einzugrenzen.
Die logische Verknüpfung: Das Stufenmodell
Ein präzises Targeting basiert auf der Kombination verschiedener Filter. LinkedIn nutzt hierbei eine einfache, aber mächtige Logik:
- ODER-Verknüpfung: Durch die Verknüpfung mit ODER wird die Zielgruppe breiter, da nur eine der hinzugefügten Bedingungen erfüllt sein muss.
- UND-Verknüpfung: Kombiniert man Attribute (z. B. eine bestimmte Jobbezeichnung und eine bestimmte Anzahl von Jahren an Berufserfahrung), verengt sich die Auswahl.
- Ausschlüsse: Durch den Ausschluss bestimmter Attribute lässt sich die Zielgruppe noch präziser eingrenzen und unnötige Streuverluste können vermieden werden.
Qualität vor Quantität: Die richtige Zielgruppengröße
Ein häufiger Fehler ist, die Zielgruppe entweder zu breit oder zu eng zu definieren. Für den DACH-Raum sollte die Zielgruppengröße etwa zwischen 10.000 und 300.000 Nutzer:innen betragen. LinkedIn empfiehlt eine Mindestgröße von 50.000. Jedoch ist die ideale Größe stark abhängig davon, welches Ziel die Anzeige verfolgt, wen sie erreichen soll und wie spezifisch das beworbene Angebot ist. Bei einer zu kleinen Zielgruppe besteht die Gefahr, dass die Anzeigen gar nicht ausgespielt werden.
Darauf solltet ihr außerdem achten
- Zielgruppenerweiterung ausschalten: Diese Funktion sollte lieber deaktiviert werden. Sie verwässert das präzise Targeting, indem sie „ähnliche“ Nutzer hinzufügt, was aber oft zu höheren Kosten und geringerer Qualität führt.
- LinkedIn Audience Network deaktivieren: Über das LinkedIn Audience Network können Anzeigen zusätzlich zum LinkedIn-Feed auf Websites und Apps von Partner-Publishern ausgespielt werden. Dadurch lässt sich zwar die Reichweite erhöhen, die Qualität und Performance dieser zusätzlichen Platzierungen sollte jedoch separat bewertet werden. Über die Platzierungsberichte kann die Performance von LinkedIn und dem Audience Network miteinander verglichen werden. Zusätzlich stehen Publisher-Lieferberichte zur Verfügung, mit denen sich nachvollziehen lässt, auf welchen Publisher-Seiten Anzeigen ausgeliefert wurden. Wer sich bewusst auf das LinkedIn-Umfeld konzentrieren und die Ausspielung stärker eingrenzen möchte, kann das Audience Network deaktivieren.
Unser Praxistipp: Zielgruppe speichern und regelmäßig überprüfen
Sobald die Zielgruppe fertig definiert ist, sollte sie abgespeichert werden. Die gespeicherte Zielgruppe findet man anschließend in der linken Navigation unter „Planen“, „Zielgruppen“ und „Gespeichert“.
Dort lässt sich genauer analysieren, wie sich die Zielgruppe wirklich zusammensetzt. Einsehbar sind hier unter anderem Größe, Interessen, Tätigkeitsbereiche, Karrierestufen, Berufserfahrung und Kenntnisse der Zielgruppe. Auf diese Weise lässt sich prüfen, ob die gewählten Einstellungen tatsächlich zur gewünschten Zielgruppe passen und ob vor dem Kampagnenstart noch Anpassungen notwendig sind.
Ein regelmäßiger Blick auf die Zielgruppe kann sich außerdem lohnen, um ggf. weiter nachzusteuern. Größere Änderungen während einer laufenden Kampagne sollten jedoch möglichst vermieden werden.
Fazit: LinkedIn-Targeting ist kein Hexenwerk
Letztlich kommt es darauf an, die Logik hinter den verschiedenen Verknüpfungen und Ausschlüssen zu verstehen, um die Zielgruppe immer genauer einzugrenzen. ODER bezieht weitere Merkmale mit ein, UND verlangt das gleichzeitige Zutreffen mehrerer Kriterien und „Ausschlüsse“ entfernen unerwünschte Profile.
Durch die richtige Kombination dieser Möglichkeiten können genau die Personen erreicht werden, die wirklich relevant sind.
Kristin
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